Der tut nix!

Interview

Wie ein Baseballschläger

Christoph Linge ist Rettungsarzt und war bis vor einigen Jahren in Bremen mit dem Rettungshubschrauber im Einsatz. fairkehr sprach mit ihm über die Verletzungen bei Unfällen mit Geländewagenbeteiligung.

fairkehr: Warum sind Geländewagen für Fußgänger gefährlicher als andere Autos?
Linge: Die Front von Geländewagen ist steiler. Bei einem normalen Pkw mit flacher Schnauze werden Fußgänger aufgeschöpft und rollen über die Motorhaube ab. Beim Geländewagen wird ein Fußgänger mit vollem Impuls erfasst.
fairkehr: Kinder werden oft an Kopf und Hals getroffen?
Linge: Ein Kind muss mit seinem Körper den vollen Impuls aushalten. Dadurch, dass es nicht über den Kühler auf die Haupte rutscht, ist die Gefahr besonders hoch, dass es unter die Räder kommt.
fairkehr: Welche Verletzungen sind die Folge?
Linge: Mit Schädel, Hals und Brustkorb werden die verletzlichsten Stellen des Menschen getroffen. Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas ist entscheidend für seine weitere Lebensfähigkeit.
fairkehr: Erwachsene haben bessere Chancen?
Linge: Schon, weil ein großer Körper einfach mehr Energie auffangen kann. Aber, das sogenannte "Stumpfe Bauchtrauma" kann zu inneren Verblutungen führen. Ein Beckenbruch mit verschobener Wirbelsäule kann zu lebenslanger Behinderung führen.
fairkehr: Mit Frontschutzbügel sind Geländewagen noch gefährlicher?
Linge: Absolut! Kinder werden dann mit einem lokalen Impuls am Kopf getroffen. Schon bei kleinen Geschwindigkeiten bricht die Schädeldecke und dringt ins Hirn. Schon bei 10 km/h ist das vergleichbar einem Baseballschläger, den Sie ihrem Kind mit voller Kraft auf den Kopf hauen.
fairkehr: Was wäre bei einem Unfall mit einem normalen Pkw bei 10 km/h die Folge?
Linge: Eine Gehirnerschütterrung, Kopfschmerzen, Übelkeit. Alle Beteiligten wären noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Gerade bei den normalen Innerortsgeschwindigkeiten steigern Geländewagen das Gefährdungspotenzial enorm.
fairkehr: Wie wirken sich Crashs von normalen Fahrzeugen mit Geländewagen aus?
Linge: Da Geländewagen praktisch keine Knautschzone haben, nehmen sie sich diese beim Unfallgegner. Das heißt, schon bei Tempo 30 trifft den normalen Pkw eine Kraft, wie wenn er mit 60 gegen die Wand fahren würde.
fairkehr: Geländewagenfahrer leben also sicherer auf Kosten anderer?
Linge: Mitnichten. Der Mangel an Knautschzone wirkt sich beim Zusammenstoß mit einem Baum oder einer Wand fatal aus. Die gesamte Energie wird an die Insassen weitergegeben. Das Ergebnis ist oft: Auto intakt, Insassen zerschmettert.
Interview: Michael Adler


Der komplette Artikel aus fairkehr

...ist mir etwas zu lang (ca. dreimal so lang wie das Interview) für diese Seite und nicht unbedingt soo interessant. Bei der Frage des Verbots geht es natürlich auch hauptsächlich um Politik. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Die Richtlinie [EG-Richtlinie 74/483/EWG, regelt die Gestaltung "vorstehender Außenkanten" bei Fahrzeugen] geht auf das Jahr 1974 zurück und regelt jedes nur denkbare Detail der Fahrzeugaußenfläche - Frotbügel allerdings nicht. Wie sollte sie auch. 1974 sah man solche Fahrzeuge vor allem in Spielfilmen. John Wayne auf Großwildjagd in Afrikas Savannen.
[...]
Wer mit seinem Auto mit abgebrochener Antenne eine TÜV-Plakette ergattern will, bekommt die ganze Härte dieses Gesetzes zu spüren - zu Recht. Wer hingegen mit massiven Metallstangen, für den Kampf auf Deutschlands Dorf- und Stadtstraßen gerüstet, seinen Jeep Cherokee, seinen Mitsubishi Pajero oder seinen BMW X5 auf den Prüfstand stellt, darf sich im Einklang mit geltendem Recht fühlen. Plakette erteilt, gute Fahrt!

ein Kind wird getroffenDer DEKRA-Crashtest belegt: Kuhfänger sind für Kinder eine tödliche Gefahr.


gecrashter M

Links

DER SPIEGEL 46/2001 - Überleben im Weichblech
"Weit teurere Produkte deutscher Hersteller, die beim Insassenschutz oft Bestnoten erhalten, schneiden in der Fußgängerdisziplin blamabel ab. [...] Wie der BMW bekam auch der Audi A4 nur einen Stern für Fußgängerschutz [...] 'Dieses Auto wird jedem, den es trifft, unnötigen Schaden zufügen.'"

SPIEGEL online 25.10.01 - Mehr Verkehrstote im August
"Grund dürfte das schöne Sommerwetter gewesen sein, das vermehrt Motorrad- und Fahrradfahrer auf die Straßen gelockt habe"...

Telepolis: Was würde Jesus fahren?
Mit dem coolen "When You Ride Alone You Ride With Hitler!"-Plakat.

Und die Geländewagen(fahrer)?

http://www.gelaendewagen.at
http://www.gelaendewagen.de
http://www.4x4abc.com/G-Class/
...


Fahrrad-Unfall

Wieder mehr Tote durch Verkehrsunfälle

Um zu zeigen, dass es sich hier nicht um ein rein theoretisches Problem handelt, hier noch ein kleiner Artikel aus der WAZ:

WIESBADEN (ap) Traurige Trendwende auf deutschen Straßen: Nach jahrelang rückläufigen Zahlen waren in den ersten drei Monaten dieses Jahres erstmals wieder mehr Verkehrstote zu beklagen. Von Januar bis März wurden 1702 Menschen bei Autounfällen getötet - 10% mehr als im 1. Quartal 1999. Auch die Zahl der Verletzten ist gestiegen - auf 108 500, ein Plus von 4% im 1. Quartal 2000. Im gesamten vergangen Jahr war die Zahl der Unfalltoten mit 7700 Toten auf ein Rekordtief seit Beginn der Erhebungen 1953 gesunken.

Jetzt ein bisschen nachgerechnet:
7700 Tote geteilt durch 81.000.000 Einwohner - macht für jeden in Deutschland jedes Jahr ein Risiko von 0.0095 % im Strassenverkehr zu sterben.
Dann gibt es noch zwei weitere unangenehme Fälle:
- Freunde, Verwandte oder Bekannte durch Verkehrsunfälle zu verlieren
- Selber versehentlich einen oder mehrere Menschen zu töten

Denkt mal drüber nach, beim Autokauf...


Die beiden Fotos und das Interview sind aus fairkehr 5/2000 (abgetippt bzw. eingescannt)

Der WAZ-Artikel ist von WAZ-online (WAZ vom 23.05.2000, Mantel)


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